Kinder lernen spielerisch den Umgang mit modernen Technologien.

Frage: Frau Neubrand, der Naturkindergarten „Zum Guten Hirten“ wurde neben neun Friedrichshafener Haushalten zum Zukünftler-Kindergarten gekürt. Wie kam es dazu?
Irmgard Neubrand: Wir haben uns in den Monaten vor der Zukünftler-Aktion intensiv mit dem Thema erneuerbare Energien beschäftigt und in diesem Zusammenhang mit den Technischen Werken Friedrichshafen kooperiert. Unser Ziel war es damals, Stromfresser im Kindergarten zu identifizieren und Energie zu sparen. Mit unseren alten Geräten war das jedoch schwierig, und für neue fehlte uns das notwendige Geld. Und da kam ich auf die Idee, den Naturkindergarten als „Zukünftler“ vorzuschlagen. Anfangs hat keiner geglaubt, dass wir eine Chance haben, aber unser Konzept hat T-City überzeugt.
Kinder lernen spielerisch den Umgang mit modernen Technologien.
Kinder lernen spielerisch den Umgang mit modernen Technologien.
Frage: Wie sieht dieses Konzept denn aus?
Irmgard Neubrand: Unser Ziel ist es, die Nutzung moderner Technologien in unsere pädagogische Arbeit einzubinden und dabei vor allem die Kinder mit ins Boot zu holen. Diese bestimmen grundsätzlich auch das Tempo des Projektes.
Frage: Können Sie das am praktischen Beispiel beschreiben?
Irmgard Neubrand: T-City hat uns unter anderem eine neue Telefonanlage, ein Samsung-Handy und ein iPhone zur Verfügung gestellt. Also haben wir mit den Kindern ein Projekt zum Thema Kommunikation gestartet: Wir haben gelernt, was Kommunikation ist, haben aus Bechern und einer Schnur ein Telefon gebaut und gemeinsam mit unserem neuen „Väter-Kompetenz-Team“ ein Handy in seine Einzelteile zerlegt. Außerdem haben wir den Kindern erklärt, wo man Telefone kaufen kann und ihnen die Zahlen von eins bis zehn spielerisch nahe gebracht. Das alles hat etwa ein halbes Jahr gedauert, und erst danach durften die Kinder die Handys der Telefonanlage selbst nutzen.
Frage: Was heißt das konkret?
Irmgard Neubrand: Wir losen jeden Morgen ein Kind aus, das dann eine Person aus der Familie oder dem Freundeskreis anrufen darf. Dabei stellen wir den Lautsprecher an, damit alle mithören können. Für die Kinder ist das unglaublich spannend, und es macht sie sehr stolz, dass sie schon allein telefonieren können. Im Moment arbeiten wir außerdem mit den Vorschulkindern an einem Notruf-Projekt. In unserem wöchentlichen „T-City-Treff“ lernen die Kinder, wie man sich im Notfall verhält und wie man einen entsprechenden Hilferuf per Telefon absetzt.
Frage: Welche Geräte hat T-City dem Kindergarten sonst noch zur Verfügung gestellt?
Irmgard Neubrand: Wir haben eine Telefonanlage bekommen, drei Laptops mit Internet-Zugang, Drucker, Scanner, Kopierer, einen Home-Server, einen Beamer und einen Intelligenten Stromzähler.
Frage: Wie profitieren die Erzieherinnen und Erzieher davon?
Irmgard Neubrand: Bisher hatten wir nur einen Arbeitsplatz und einen Internetzugang im Büro. Entsprechend konnte auch immer nur einer von uns am Rechner arbeiten. Jetzt hat jeder sein Laptop, so dass wir uns nicht mehr abstimmen müssen und damit viel flexibler sind. Durch das schnelle Internet kommunizieren wir mit den Eltern inzwischen via E-Mail und müssen Elternbriefe und andere Informationen nicht mehr ausdrucken. Auch Fotos verschicken wir via Internet. Das spart Zeit und viel Papier. Der Beamer unterstützt uns in unserer Arbeit ebenfalls. So zeigen wir den Kindern beispielsweise als Einstieg in ein neues Thema einen kleinen Film – natürlich immer abgestimmt auf unser pädagogisches Konzept. Vor kurzem haben wir sogar einen Kinoabend veranstaltet. Dazu haben wir uns gemeinsam mit den Kindern einen Film in der Stadtbibliothek ausgeliehen und selbst Popcorn und Veilchensirup gemacht – wie es sich eben für einen richtigen Kinoabend im Naturkindergarten gehört. Das war ein tolles Erlebnis für die Kinder
Und auch die Eltern waren begeistert.
Frage: Wie stehen denn die Eltern insgesamt zu dem Projekt?
Irmgard Neubrand: Inzwischen stehen alle voll dahinter. Anfangs hatten einige Eltern Sorge, Ihre E-Mail-Adressen herauszugeben, weil sie Angst vor Datenmissbrauch hatten. Aber wir gehen selbstverständlich sehr verantwortungsvoll mit den Adressen um und haben inzwischen auch alle davon überzeugt.
Frage: Wie ist sonst die Resonanz auf den Zukünftler-Kindergarten?
Irmgard Neubrand: Für viele ist es etwas befremdlich, dass wir als „Naturkindergarten“ mit High-Tech-Geräten arbeiten. Oft bekomme ich zu hören, dass das doch gar nicht zusammenpasse. Dabei ist der Zusammenhang eigentlich einfach herzustellen: Wir lernen gemeinsam mit den Kindern moderne Technologien kennen, die uns helfen, die Natur zu schützen – sei es, indem wir intelligente Stromzähler nutzen und dadurch Energie sparen oder indem wir unsere Kommunikation ins Netz verlagern und so weniger Papier verbrauchen.
Frage: Was läuft aus Ihrer Sicht nicht so gut, wo würden Sie sich Verbesserungen wünschen?
Irmgard Neubrand: Ich muss ehrlich sagen, dass wir die zusätzlichen Kosten etwas unterschätzt haben, die wir als Zukünftler-Kindergarten tragen müssen. So brauchten wir für den Beamer natürlich auch eine Leinwand, und die Kosten für Druckerpatronen sind auch nicht unerheblich. Hier würden wir uns ein wenig mehr Unterstützung wünschen. Außerdem habe ich noch eine Aufgabe für alle Handy-Hersteller: Entwickeln Sie doch einmal ein Kinder-Handy mit großen bunten Tasten und ohne Sonderzeichen, das ausschließlich über eine Telefonfunktion verfügt – die Kinder würden sich freuen!
Frage: Was planen Sie als nächstes?
Irmgard Neubrand: In Kürze bieten wir gemeinsam mit dem Senioren Internet Treff Friedrichshafen einen Handy-Kursus für die Großeltern unserer Kinder, später soll auch ein Fotokursus folgen. Auf diese Weise tun wir als Zukünftler-Kindergarten nicht nur etwas für den Nachwuchs, sondern holen auch die ältere Generation mit ins Projekt.
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